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Warum Hygiene den Kontaktsportarten so wichtig ist


Im Interview mit Haut- und Laborarzt Prof. Dr. med Nenoff

Kategorie: Medizin
Autor: Anna Löffler
letztes Update: 22. Juni 2020 - 21:55

Ein hartnäckiges Thema, dass sich in vielen Sportarten wiederfindet, jedoch in Kontaktsportarten eine besondere Rolle einnimmt, ist die Übertragung von Hautkrankheiten.

Zur Verringerung der Ausbreitung, der im Ringen weitläufig auch als “Mattenpilz“ bekannten Hautinfektion, wird im Ringkampfsport besonderer Wert auf Hygiene gelegt.

Der Bundesstützpunkt Leipzig, der durch sein hochfrequentiertes Training mit einer Vielzahl an nationalen und internationalen Sportlern besonders beansprucht wird, arbeitet hierzu in enger Abstimmung mit Prof. Dr. med Pietro Nenoff, Leiter des Labors für medizinische Mikrobiologie.

Wir hatten die Gelegenheit Herrn Prof. Dr. med. Nenoff persönlich im Interview zum Thema zu befragen.

 

Herr Prof. Dr. med. Nenoff, als Spezialist für eine modernste Diagnostik von Pilzerkrankungen der Haut, Schleimhaut, Nägeln und Haaren, unterstützen Sie mit Ihrem Labor seit geraumer Zeit erfolgreich auch die Ringer am Bundesstützpunkt in Leipzig.

Können Sie bitte beschreiben was Sie unter “Mattenpilz“ verstehen und wie er übertragen wird?

Prof. Nenoff: „Bei dem Mykosen (Pilzinfektionen der Haut) verursachenden Pilz handelt es sich um den anthropophilen („Menschen-liebenden“) Hautpilz Trichophyton tonsurans. Dieser Erreger kommt nur beim Menschen vor und wird von Mensch-zu-Mensch übertragen. Das geschieht einerseits direkt durch Körperkontakt. Das ist beim Ringkampf sehr wahrscheinlich, auch weil der Haut-zu-Haut-Kontakt sehr intensiv ist, zum Beispiel durch starken Druck, Stoßen und Reiben der eigenen Haut an der Haut des Gegners. Andererseits wird der Pilz Trichophyton tonsurans auch indirekt über unbelebte Oberflächen – Fußboden, hier insbesondere Sportmatten – übertragen.“

Wie bemerke ich, dass ich mich angesteckt habe und an welchen Körperstellen kann der Pilz auftreten?

Prof. Nenoff: „Diese Pilzinfektionen (Mykosen) betreffen die Haut am Körperstamm (Tinea corporis), den Schultern oder den Armen und Beinen. Außerdem kommt es häufig zum Befall der behaarten Kopfhaut (Tineacapitis) und des Gesichtes. In der Folge kommt es zur Rötung, starken Schuppung, in seltenen Fällen kann es an der betreffenden Stelle auch zum Haarausfall und zur Eiterbildung mit Krusten sowie schmerzhaften Abszessen kommen.“

Was ist, wenn ich betroffen bin? Wie wird die Pilzinfektion behandelt?

Prof. Nenoff: „Die Behandlung der Mykose durch Trichophyton tonsurans kann durch den Hautarzt/Hautärztin oder auch Kinderärzte/-ärztinnen erfolgen. Zuerst ist eine mikrobiologische Diagnostik zum Nachweis des Erregers aus Hautschuppen oder Hautabstrichen notwendig. Die Behandlung einer Mykose der Haut erfordert die Anwendung einer gegen Hautpilze wirksamen Creme oder Salbe. Diese wird zweimal täglich auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Die Dauer der Behandlung beträgt mindestens 2, besser 4 Wochen. Sollte es zu einem Befall der behaarten Kopfhaut kommen, ist die innerliche Behandlung der oft schweren Pilzinfektion mit gegen den Hautpilz wirksamen Substanzen (Antimykotika) als Tabletten, Kapsel oder Saft notwendig. Die Behandlung kann langwierig sein und sich über 1 bis 3 oder sogar 4 Monate hinziehen. Laborkontrollen von Blutwerten (Leberenzyme) sollten zur Sicherheit ebenfalls durchgeführt werden.“

Was kann ich oder mein Verein tun, das Risiko zu minimieren? Kann man dem Pilz vorbeugen?

Prof. Nenoff: „Hier gibt es zwei wesentliche Faktoren. Unsere Haut besitzt einen natürlichen Säureschutzmantel. Durch das Training können kleinste Mikroverletzungen auf der Oberhaut entstehen. Diese kleinen Risse sowie häufiges Duschen können den Schutzmantel unserer Haut angreifen. Der beste Schutz ist demnach eine gesunde Haut und eine intakte Abwehr. Als Prophylaxe empfehle ich nach dem Duschen unbedingt die Haut mit einer Pflegelotion (z. Bsp. mit dem Wirkstoff Bepanthen) einzucremen.

Entscheidend zur Eindämmung der Hautpilzinfektionen ist auch die möglichst frühzeitige Erkennung der Mykose an der Haut oder Kopfhaut. Sobald dann behandelt wird, ist auch die Ansteckung und Übertragung minimiert.

Genauso wichtig ist jedoch die Desinfektion der Umgebung – Fußböden und vor allem Matten – zur Beseitigung von infektiösen Pilzsporenund von mit Pilzen befallenen Hautschuppen. Es ist notwendig, die Matten und sonstigenOberflächen, auf denen barfuß gegangen wird und auch sonstiger Hautkontakt besteht,regelmäßig nach der Benutzung/dem Training oder Wettkampf, zu desinfizieren. Letztlich ist eine tägliche Desinfektion erforderlich. Zur Wischdesinfektion kommen gegen Pilze aktive Desinfektionsmittel in Frage. Bewährt haben sich Lösungen mit Peressigsäure in entsprechenden Verdünnungen zur Oberflächendesinfektion. Alternativ sind auch quaternäre Ammoniumverbindungen sehr gut gegen Pilze wirksam und können zur Wischdesinfektion eingesetzt werden.“

Das Interview führte Anna Löffler.

Das vollständige Interview als .pdf-Datei zum >>>Download<<<.

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